Schlichtungsgespräch statt Rechtsstreit
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So vermeiden Sie die Kosten eines Erbrechtsstreites

Vordergründig geht es dabei oft um die Auseinandersetzung der Erbschaft. Hintergründig spielen oftmals weit zurückliegende Ereignisse im zwischenmenschlichen Bereich eine große Rolle. Der Betroffene, der von einem Miterben so in Anspruch genommen wird, wird oft dazu gezwungen, sich mit juristischen Mitteln gegen den oder die anderen Miterben zu wehren. Die Kosten hierfür können durchaus erhebliche Summen erreichen. Hinzu kommt, dass die Familie durch einen derartigen Streit auseinander brechen kann.


Die Kosten eines Rechtsanwaltes richten sich zunächst einmal nach dem sogenannten Gegenstandswert. Dies ist bei einer Erbauseinandersetzung der Betrag der gesamten Erbschaft, nicht nur des Erbanteils des Betroffenen. Hat die Erbschaft beispielsweise einen Wert von 5.000,00 €, kostet die Vertretung durch ein Rechtsanwalt im außergerichtlichen Bereich pauschal ca. 500,00 €. Bei einem Erbschaftswert von 10.000,00 € erhöhen sich die Gebühren auf ca. 900,00 €. Schafft es der Rechtsanwalt eine Einigung mit der Gegenseite zu erzielen, kommt noch eine Einigungsgebühr von 360,00 Ä (beim Wert von 5.000,00 Ä) bzw. 665,00 € (beim Wert von 10.000,00 €) hinzu.
Kommt es zu einem Rechtsstreit vor Gericht, betragen die Gebühren für den eigenen Anwalt einschließlich der Gerichtskosten in der ersten Instanz 1.620,00 € (bei 5.000,00 € Streitwert) bzw. 2.860,00 € (bei 10.000,00 €). Bei größeren Erbschaften erhöhen sich die Werte entsprechend.


Jemand, der ein geringes Einkommen und kein Vermögen besitzt, hat die Möglichkeit, die Rechtsanwaltskosten sowie die Gerichtskosten dadurch zu minimieren, dass er im außergerichtlichen Bereich Beratungshilfe beim Amtsgericht beantragt sowie im gerichtlichen Verfahren Prozesskostenhilfe. In diesem Fall werden die Anwalts- und Gerichtskosten größtenteils vom Staat übernommen. Bekommt der Betroffene dann allerdings aus der Erbschaft Vermögen zugesprochen, so muss er dieses wiederum für die vom Staat verauslagten Gebühren einsetzen und die Gebühren dem Staat zurückzahlen.

Notar als neutraler Schlichter
Sinnvoller ist es da schon, einen entsprechenden Rechtsstreit von vornherein zu vermeiden. Dies ist möglich, wenn sich alle Miterben vorab darauf einigen, eine Mediation bei einem Notar durchzuführen. Der Notar wird dabei als neutraler Schlichter eingesetzt, ohne dass er befugt ist, hier einen Schlichtungsspruch zu sprechen, den Streit also zu entscheiden. Er versucht, durch sein Fachwissen, durch seine Menschenkenntnis und durch seine neutrale Stellung ein vertrauliches, freiwilliges, strukturiertes Verfahren durchzuführen, bei dem es nicht nur um die Verteilung der Vermögensgegenstände, sondern auch die Aufarbeitung der sonstigen, zwischen den Parteien bestehenden zwischenmenschlichen Differenzen geht. Die Erfahrungen zeigen, dass derartige Verfahren durchaus erfolgversprechend sind, auch wenn die Parteien sich vorab heftig gestritten haben.

Kosten eines Schlichtungsverfahren
Die Kosten für ein derartiges Verfahren müssen vorab mit dem Notar schriftlich vereinbart werden. Dadurch, dass beide Parteien einen Rechtsanwalt sowie Gerichtskosten sparen, sind die Kosten für dieses Verfahren, d.h. für den Notar, in der Regel erheblich geringer als bei einem streitigen Verfahren. Hat der Notar Erfolg und schafft er es, die Parteien zu einigen, so kann von ihm auch anschließend die Erbauseinandersetzungsvereinbarung in notarieller Form beurkundet werden. Hierfür fallen allerdings gesonderte, gesetzlich festgelegte Gebühren an. Auch diese richten sich nach der Höhe der Erbschaft.
In der Regel lohnt es also, sich bei einem Streit über das Erbe frühzeitig auf einen Notar zu einigen, der einen Einigungsversuch im Rahmen eines Mediationsverfahrens unternimmt.

 

© Ulrich Brockhöft, Rechtsanwalt, Notar, Steuerberater, Fachanwalt für Steuerrecht, Lüneburg