Lüneburg, März 2021

Jedes Jahr auf´s Neue:

Änderungen im Steuergesetz

Selten hat man so gespannt auf die Steuergesetzesänderungen gewartet und gehofft, dass es auch über diesen Weg Hilfsangebote oder Erleichterungen für die unter der angespannten Situation Beeinflussten geben wird. Am 16.12.2020 war es dann endlich soweit und die folgenden, überwiegend positiven Änderungen wurden beschlossen.

© Prostock-studio.AdobeStock.com
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Teilweise gab es auch bereits vorher Änderungen, die das Jahr 2020 oder 2021 betreffen, die hier ebenfalls mit aufgeführt sind. Aufgrund des Umfangs, werden jedoch nicht alle Änderungen aufgeführt:


Solidaritätszuschlag entfällt für Mehrheit der Steuerzahler
Für 90 Prozent der heutigen Zahler entfällt der Solidaritätszuschlag ab 2021 vollständig. Dies war bereits im Koalitionsvertrag vorgesehen. Die Freigrenze, bis zu der kein Solidaritätszuschlag anfällt, wird von heute 972 Euro auf 16.956 Euro der Steuerzahlung angehoben, sodass bis zu einem zu versteuernden Einkommen von 61.717 Euro zukünftig kein Solidaritätszuschlag mehr fällig ist.
An die neue deutlich ausgedehnte Freigrenze schließt sich eine sogenannte Milderungszone an. Wie bereits heute verhindert sie, dass sofort auf den vollen Steuerbetrag der Solidaritätszuschlag erhoben wird. Die Milderungszone gilt für zu versteuernde Einkommen bis 96.409 Euro. Für Verheiratete verdoppeln sich diese Beträge.


Das Kindergeld steigt
Eltern sind aufgrund ihrer familiären Pflichten finanziell oft weniger leistungsfähig als kinderlose Menschen. Um Familien zu stärken und Steuerzahler zu entlasten, hat das Kabinett das Zweite Familienentlastungsgesetz beschlossen: Ab 2021 ist das Kindergeld um 15 Euro pro Kind gestiegen.
Für das erste und zweite Kind bekommen Eltern damit 219 Euro pro Monat, für das dritte 225 Euro und ab dem vierten Kind 250 Euro.
Gleichzeitig ist der Kinderfreibetrag und der Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf für die Einkommenssteuer angepasst worden. Jeder Freibetrag wird pro Elternteil um 144 Euro angehoben. Damit kommt ein Elternpaar insgesamt auf eine Summe von 8.388 Euro jährlich, auf die keine Einkommenssteuer fällig wird.
Bei den Eltern erfolgt jedes Jahr mit der Einkommensteuererklärung eine Günstigerprüfung, ob sich der Kinderfreibetrag und gegebenenfalls der Betreuungs- und Erziehungsfreibetrag finanziell höher auswirkt als das Kindergeld. Ist das der Fall, werden diese Steuerfreibeträge unter Anrechnung des erhaltenen Kindergeldes bei der Einkommensteuerberechnung berücksichtigt.


Pauschbeträge für Menschen mit Behinderung angehoben
Für Steuerpflichtige mit Behinderungen besteht die Möglichkeit, anstelle eines Einzelnachweises für ihre Aufwendungen für den täglichen behinderungsbedingten Lebensbedarf einen Behinderten-Pauschbetrag zu beantragen. Diese Pausch-beträge sind seit vielen Jahren konstant geblieben – eine Anpassung war deshalb nötig. Im Einzelnen wurden folgende Maßnahmen vorgenommen:
•    Die Behinderten-Pauschbeträge werden nunmehr ab einem Behindertengrad von 20 % gewährt. Die Freibeträge für den jeweiligen Behinderungsgrad betragen nunmehr zum Beispiel:
- bei 20 %    384 Euro
- bei 50 %    1.140 Euro
- bei 70 %    1.780 Euro
- bei 100 %  2.840 Euro
Für Menschen, die blind oder Taubblind sind, oder als hilflos eingestuft wurden, beträgt der neue Pauschbetrag 7.400 Euro. Damit ist hier eine Verdoppelung eingetreten.
•    Die Gewährung eines behinderungsbedingten Fahrtkosten-Pauschbetrags von 900 Euro, bei einem Behinderungsgrad von mindestens 80 % oder bei einer Behinderung mit mindestens 70 % und dem Kennzeichen „G“, sowie einem Fahrtkosten-Pauschbetrag von 4.500 Euro bei blinden oder taubblinden, hilflosen Menschen und bei Menschen mit dem Behinderungsgrad „aG“.
Darüber hinaus steigt der Pflege-Pauschbetrag als persönliche Anerkennung der häuslichen Pflege von derzeit 924 Euro auf 1.800 Euro. Für die Pflegegrade 2 und 3 wird künftig ebenfalls ein Pflege-Pauschbetrag von 600 beziehungsweise 1.100 Euro gewährt.


Höhere Fahrtkosten für Berufspendler
Ab Januar 2021 gibt es eine höhere Entfernungspauschale von 35 Cent ab dem 21. Kilometer. Sie wird in den Jahren 2024 bis 2026 um weitere drei Cent auf insgesamt 38 Cent pro Kilometer erhöht. Geringverdiener – etwa Auszubildende – können neben der Entfernungspauschale zusätzlich die neue Mobilitätsprämie beantragen – diese ist aber leider mit der Abgabe einer Einkommensteuererklärung verbunden.


Corona Steuerhilfe
Mit Beginn der Corona-Krise wurde im Jahr 2020 eine steuerbefreite Sonderzahlung an Arbeitnehmern in Höhe von 1.500 Euro eingeführt. Diese Sonderzahlungen, die zusätzlich zum vereinbarten Gehalt gezahlt werden müssen, sind nun bis zum 30.06.2021 steuerbefreit worden. Dies betrifft aber nur die Gesamtsumme. Es ist keine weitere Sonderzahlung für 2021 möglich, sondern noch nicht gewährte Sonderzahlungen des Jahres 2020 können nachgeholt werden.


Übungsleiterfreibetrag
Der Übungsleiter oder Ehrenamtsfreibetrag ist ab dem Jahr 2021 von 2.400 Euro auf 3.000 Euro bzw. 720 Euro auf 840 Euro erhöht worden.


Homeoffice-Sonderregelung
Für die Zeit vom 01.01.2020 bis zum 31.12.2021 kann für jeden Kalendertag, an dem der Steuerpflichtige seine betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausübt und keine außerhalb der Wohnung belegene Tätigkeitsstätte aufsucht, für die gesamte betriebliche oder berufliche Betätigung pauschal 5 Euro, höchstens 600 Euro im Kalenderjahr als Betriebsausgabe oder Werbungskosten absetzen. Dies gilt nur, wenn das Arbeitszimmer nicht ohnehin geltend gemacht wird.


Investitionsabzugsbetrag
Eine höhere Berücksichtigung für zukünftige Investitionen im betrieblichen Bereich kann nunmehr mit 50 %, statt bisher 40 %, der geplanten Investitionen der folgenden 3 Jahre steuermindernd berücksichtigt werden. Außerdem ist ab dem Jahr 2020 die Begrenzung der Betriebe mit einem Gewinn von 100.000 Euro auf 200.000 Euro angehoben worden. Damit ist die Beanspruchung von deutlich mehr Betrieben möglich.


Degressive Abschreibung
Ab dem 01.07.2020 können Anschaffungen sogenannter beweglicher Wirtschaftsgüter, d. h. keine immateriellen Wirtschaftsgüter wie Lizenzen oder Software und nicht für Gebäude, mit der degressiven Abschreibung abgeschrieben werden. Diese beträgt das 2,5-fache der linearen Abschreibung und maximal 25 %. Eine höhere Steuerminderung in den Jahren 2020 und 2021 ist damit ermöglicht.
Diese Regelung betrifft Wirtschaftsgüter mit einer Anschaffung vom 01.01.2020 bis zum 31.12.2021.


Gewerbesteueranrechnung
Gewerbebetriebe müssen neben der Einkommen- oder Körperschaftssteuer an die Gemeinden Gewerbesteuer entrichten. Bei der Einkommensteuer war die Gewerbesteuer bisher mit dem 3,8-fachen des Gewerbesteuermeßbetrags anzurechnen. Gewerbebetriebe, die in Gemeinden mit einem Hebesatz von über 380 % ansässig sind, konnten damit nicht die gesamte Gewerbesteuer bei der Einkommensteuer anrechnen, so dass es zu einer zusätzlichen Belastung gekommen ist. Um dies abzumildern, gibt es ab dem Jahr 2020 eine Anpassung auf das 4-fache des berechneten Meßbetrags. Eine vollumfängliche Anrechnung erfolgt damit bis zu einem Hebesatz von 400 % bei der Einkommenssteuer. Bei der Körperschaftssteuer erfolgt keine Anrechnung der Gewerbesteuer.


Weiterbildungsmaßnahmen
Weiterbildungsleistungen des Arbeitgebers oder auf dessen Veranlassung von Dritten für Arbeitnehmer, die zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit des Arbeitnehmers dienen und/oder die Übernahme von Beratungsleistungen für die Neuorientierung bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses sind steuerfrei gestellt worden.


Arbeitnehmer Sachbezüge
Gerne werden Gutscheine zusätzlich zum Arbeitslohn an Arbeitnehmer ausgegeben. Die Steuerfreiheit für diese sogenannten Sachbezüge je Mitarbeiter und Monat werden von 44 Euro auf 50 Euro erhöht. Dies gilt jedoch erst ab dem Jahr 2022.
Text: Kerstin Ostermann, Steuerberaterin und Mediatorin, 
Kanzlei Wöbken, Braune und Kollegen