Lüneburg, September 2021

Die guten alten Zeiten sind jetzt!

Isabel Varell ist Fernsehmoderatorin, Sängerin, Schauspielerin, Musicaldarstellerin und Buchautorin. Sie führt ein bewegtes und bewegendes Leben und kommt jetzt wieder auf die Bühne – als Sängerin, Autorin und Erzählerin. Im August durfte ich ein exklusives Interview mit ihr führen, in dem sie, wie in ihrem Buch, schonungslos ehrlich und zugleich lebensfroh motivierend war.

© Isabel Varell
© Isabel Varell

REDAKTION: Frau Varell, das Interview das wir hier führen ist für „Mein Senioren-Magazin“ in Lüneburg und Umgebung. Sie haben hier vor einigen Jahren in der Serie Rote Rosen mitgespielt. Welche Erinnerungen haben Sie?
VARELL: Nur die Allerbesten. Ich habe die Hauptrolle gespielt. Meine Staffel war sogar recht lang. Wir hatten eine tolle Geschichte zu erzählen. Es ging um eine Frau mittleren Alters, so um die 50 plus, nach einer zerrütteten Ehe noch einmal neu durchstarten kann. Das Thema Frauenfreundschaften steht da im Mittelpunkt.
REDAKTION: Haben Sie in der Zeit hier in Lüneburg gelebt?
VARELL: Oh ja, das geht gar nicht anders. Das Pensum der Hauptrolle ist so extrem. Mein Tag bestand aus Text lernen, Drehen und Schlafen. Es war aber trotzdem eine wundervolle Zeit. Ich hatte unglaubliches Glück mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Wir hatten jedoch kaum Zeit für etwas anderes. Einmal haben sie mich überredet, mit ins Kino zu gehen. Da hab ich aber den Film vorzeitig verlassen, weil er mir zu brutal war. Ich hab mich freundlich verabschiedet und bin schlafen gegangen.
REDAKTION: Waren Sie in der Zeit mal in der Lüneburger Heide?
VARELL: Ich war gelegentlich wieder einmal in Lüneburg, aber ich habe seit einigen Jahren so viel zu tun … Aber eines Tages mach ich das. Ich gehe auch gern Wandern.
REDAKTION: Das sollten Sie unbedingt einmal tun! Die Heide blüht im August/September. So weit das Auge reicht ist die Heide lila.
Es gibt aber auch kulinarischen Schmaus. Haben Sie schon einmal Heidschnuckenfleisch probiert?
VARELL: Ich bin seit vielen Jahrzehnten Vegetarierin. Aber es gibt auch einen tollen Sushi-Laden.
REDAKTION: Sie hatten vor ein paar Tagen einen sehr runden Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch nachträglich! Wie haben Sie den Tag verbracht?
VARELL: Danke! Ich wollte eigentlich feiern, aber auf Grund der Umstände waren wir nur im kleinen Kreis. Zusammen mit meinen liebsten Freunden hatte ich einen sehr schönen Abend.
REDAKTION: Frau Varell, ich würde gern einmal überleiten auf Ihre Vita. Sie haben die Schule ohne Abschluss verlassen. War das jemals ein Problem?
VARELL: Zunächst muss man ja festhalten, dass es für mich immer klar war, Sängerin zu werden. Mich hat die Schule damals nicht interessiert. Ich bin ein Scheidungskind und hatte zu der Zeit ganz andere Probleme. Ich hatte keine schöne Jugendzeit. Ich habe meine Energien, die man in der Jugend hat, in der Schule ausgelebt. Aber eben auch nur, weil es zu Hause nur Strenge, nur Verbote gab. Eingesperrt sein. Schläge. Meine Mutter hat die Scheidung nicht verkraftet. Die Tatsache, dass sie verlassen wurde. Ich habe sie sehr an meinen Vater erinnert. Das hat sie an mir ausgelassen.
REDAKTION: Dann war der Gesang Ihr Weg, damit umzugehen?
VARELL: Ich habe sporadisch Gesangsunterricht genommen. Ich wollte auch keine klassische Ausbildung darin. Dabei kann sich die Stimme verändern. Ich wollte aber nie diese perfekte Musicalstimme haben.
REDAKTION: In Ihren Liedern schreiben Sie häufig von Mut. In Ihrem Buch stehen Sätze wie: „Man kann nur mutig sein, wenn man Angst hat.“ Was bedeutet Ihnen das?
VARELL: Das ist die zentrale Botschaft meines Buches. Ich musste ja immer wieder neu anfangen. Die Entscheider wollen ja immer sehen: die wackelt nicht, die kippt nicht um. Und das ist es, was ich nach außen gesendet habe. Aber heute kann ich ehrlich sein. Ich muss nichts mehr beweisen. Was ich damals gesagt habe stimmte natürlich nicht. Na klar hatte und hab ich Zweifel und Angst, nicht anerkannt zu werden. Das zieht sich durch mein Leben. Natürlich auch durch das mangelnde Selbstwertgefühl, die Komplexe, die ich durch meine Mutter bekommen habe. Man hat es mir in der Kindheit nicht vermittelt, dass ich etwas wert bin. Ich war kein Kind dessen Mutter gesagt hat „Du bist so okay wie du bist. Aus dir wird mal was. Auch wenn du scheiterst, steh wieder auf.“ Das hab ich nie gehört. Und genau das ist meine Lebensaufgabe. Ich verarbeite das in meinen Büchern. Jetzt, wo ich älter bin, kann ich darüber auch sprechen. Meine Bücher hab ich immer erst einmal für mich selbst geschrieben. Mein erstes Buch wollte ich nie veröffentlichen. Das war viel zu intim. Aber ich habe mit Freunden gesprochen und gelernt, dass es vielen anderen auch so erging. Deshalb will ich heute darüber sprechen. Es gab viele harte Eltern damals.
REDAKTION: Sie haben vor einigen Jahren eine Ausbildung zum systemischen Coaching gemacht. Waren Kindheitserfahrungen der Auslöser?
VARELL: Im weitesten Sinne ja. Es gab eine Schlüsselsituation, in der ich so empfindlich reagiert habe – in meinem Alter, aus meiner Sicht, nicht erwachsen genug. Daraufhin wollte ich den Grund dafür in mir finden. Ich will nicht Opfer sein, durch mein Leben gehen und sagen „Ach, was hab ich schreckliches erlebt, deshalb ist alles so“. Nein. Ich muss an mir arbeiten und die Dinge erkennen, damit ich ein glücklicher, ausgeglichener und souveräner Mensch bin. Man kann lernen, die Dinge von außen zu betrachten und sich selbst zu lenken. Das Coaching habe ich nur für mich gemacht. Es war für mich der richtige Weg. Heute kann ich Situationen, die mich stören, besser verarbeiten.
Für die Leser Ihres Magazins könnten auch meine 10 Gebote für ein glückliches Älterwerden interessant sein. Da ist auch viel von diesen Dingen drin. Die Gebote sagen auch Kritisches aus. Nur weil wir älter sind, wissen wir nicht mehr. Alt sein ist keine Garantie dafür, dass man weise ist. Man kann auch von Jungen lernen. Jung sein ist kein Fehler.
Meine Wahrnehmung ist, dass viele Menschen sich dafür schämen, dass sie alt sind. Das macht auch die Gesellschaft, dass Ältere sich dafür schäme. Da ist zum Beispiel die alte Dame an der Kasse im Supermarkt, die es verlacht, dass sie das mit dem Bezahlen nicht so schnell hinbekommt. Oder das Einräumen der Waren in den Korb. Aber wir müssen uns nicht schämen, weil wir alt sind. (Ich meine jetzt richtig alt.) Wir können stolz sein auf uns. Alte Menschen haben so viele Erfahrungen. Sie sollten jedoch auch daran denken, wer sie sind, was sie ausmacht! Das Leben muss man leben, nicht verstreichen lassen.
REDAKTION: Frau Varell, Sie sind so voller Tatendrang. Man spürt regelrecht Ihre Energie und Ihre Lust auf Neues. Aber gibt es einen Plan auch für die Zeit nach der Schauspielerei, der Kamera und dem Mikrofon?
VARELL: Ja, ich will wieder ehrenamtlich arbeiten. Ich hatte je schon viele Jahre ehrenamtlich in einem Hospiz gearbeitet. Dass ich in den Ruhestand gehe, kann ich mir nicht vorstellen. Es gibt so viele Dinge, wo man sich nützlich machen kann. Das kann auch ganz klein anfangen. Man kann sich um den Nachbarn kümmern oder im Altenheim helfen.
REDAKTION: Sie sind ja mit Hape Kerkeling befreundet. Er ist auf dem Jakobsweg gewandert. Könnten Sie sich das für sich vorstellen?
VARELL: Also, ich gehe sehr gerne wandern. Aber die Übernachtungssituationen möchte ich nicht unbedingt in der Form erleben.
REDAKTION: Sein Buch dazu wurde ja verfilmt. Könnten Sie sich das von Ihrem Buch auch vorstellen?
VARELL: Ich glaube es wäre noch mal eine ganz andere Herausforderung. Weil ich ja auch über mich über viele Jahre hinweg berichte. Aber interessant ist es gewiss.
REDAKTION: Apropos Film und Theater: Welches war für Sie bisher die schwierigste Rolle?
VARELL: Das war tatsächlich die Rolle in Lüneburg. Meine Rolle hatte eine sehr kalte Mutter. Da gab es Parallelen zu meinem Leben. Ich erinnere mich an eine Szene, die mich sehr an meine Kindheit erinnerte. Das war sehr schwierig. Man kann nicht alle Türen in sich zumachen. Da flossen dann auch schon mal echte Tränen vor der Kamera.
REDAKTION: Frau Varell, Sie haben schon so viele verschiedene Rollen gespielt, traurige, lustige, melancholische. Welche mögen Sie am liebsten?
VARELL: Es gibt so viele tolle Rollen. Ich würde auch mal gern so einen richtigen Bösewicht spielen. Genauso gern hab ich auch lustige Rollen. Mir ist nur wichtig, dass sie gut sind.
REDAKTION: Zum Abschluss kommend, bedanke ich mich ganz herzlich für das sehr nette Interview und freue mich, Sie am 25.9. in Hitzacker live zu erleben.
VARELL: Vielen Dank und liebe Grüße an Ihre Leser.
Interview und Text von Sabine Butenhoff

Ein aufregendes Leben - Tour 2021

Fernsehmoderatorin, Sängerin, Schauspielerin, Musicaldarstellerin und SPIEGEL Bestsellerautorin auf Ihrem Weg zur Bühne.
Alles ist live – sie erzählt – sie singt – und sie liest die spannendsten Passagen aus ihrem Leben und ihrem neuen Buch: “Die guten alten Zeiten sind jetzt“. Mit Isabel Varell und Livebegleitung am Piano; Regie: Pit Weyrich

© Isabel Varell
© Isabel Varell

Jeden Tag das Leben neu erfinden Isabel Varell ist eine wahre Lebenskünstlerin und erzählt entwaffnend ehrlich von den höchsten Höhen und tiefsten Tiefen ihres Lebens. Weil sie das Talent hat, immer das Positive im Auge zu behalten, Schmerzliches loszulassen, Scheitern als Chance zu erkennen und ihre Ängste zu überwinden. Keine Herausforderung ist ihr zu groß – auch nicht das Älterwerden, dem sie dank ihrer durchweg optimistischen Lebenshaltung mit bewundernswerter Gelassenheit begegnet. Das „Rezept Varell“ – hier teilt sie ihre inspirierenden Erkenntnisse als „Langzeitstudentin an der Lebensuniversität“.
So ist ihr Leben auch eine Quelle der Inspiration und ein Plädoyer dafür, sich spielerisch auf das Leben einzulassen und niemals ganz erwachsen zu werden.

Ein Piano und eine Powerfrau – wird Ihnen, dem Publikum sehr nah sein. Isabel Varell, ist bekannt als Sängerin, Musicaldarstellerin, Liedermacherin, Schauspielerin, Spiegel Besteller Autorin und Moderatorin.
Seit 2018 moderiert sie im Wechsel mit anderen das ARD-Morgenmagazin „Live nach Neun“.
Unverblümt, lebensklug und vor allem sehr unterhaltsam erzählt Isabel Varell aus ihrem Leben. So unvorhersehbar und überraschend wie das Leben, so erfrischend charmant ist dieses abwechslungsreiche Programm mit sprühenden Texten und Liedern. Eine Ode an das Kind in uns.
Sie werden mit einem Lächeln an diesen Abend denken.

 

 

Ein aufregendes Leben – Tour 2021
23.09.2021    Oer Erkenschwick - Stadthalle
24.09.2021    Neuenhagen - Bürgerhaus
25.09.2021    Hitzacker - Verdo 
02.10.2021    Hamburg - Stageclub
und viele weitere. Tickets und Termine erhalten Sie in bekannten Ticketbüros. Alle Tour- und Fernsehtermine mit Isabel Varell finden Sie auch auf ihrer Website unter www.isabel-varell.de.

Erleben Sie Isabel Varell live!

Wir verlosen 2 Karten für ihr Programm am 25.09.2021 / 20.00 Uhr, in Hitzacker/Elbe, im VERDO.

© Isabel Varell
© Isabel Varell

ACHTUNG! Einsendeschluss: 20.09.2021
Die Gewinner werden unter allen Zuschriften ausgelost
und schriftlich (per Mail) oder telefonisch benachrichtigt. Vergessen Sie daher nicht Ihren Namen, E-Mail-Adresse und Telefonnummer!
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Zuschriften per Post an:

Mein Senioren Magazin,
Auf der Hude 87, 21339 Lüneburg oder
per E-Mail: gewinnspiel@mein-senioren-magazin.de
Nennen Sie uns das Stichwort:
Isabel Varell


Die guten alten Zeiten sind jetzt

von Isabel Varell
Piper Verlag

 

240 Seiten
ISBN: 978-3-492-0630-5

Preis: 15,00 EUR

Die guten alten Zeiten sind jetzt

von Isabel Varell

 

Wie fühlt es sich an, mit Ende fünfzig plötzlich an der Seite eines halb so alten Kollegen eine neue Morgensendung in der ARD zu starten? Ist man irgendwann zu alt, um vor der Kamera zu stehen? Darf Frau im fortgeschrittenen Alter den verliebten Verstand verlieren und öffentlich mit einem jüngeren Mann knutschen? Wieso sind Freundschaften das Wichtigste im Leben? Und warum werden sie im Älterwerden manchmal zur großen Herausforderung? Isabel Varell erzählt zu ihrem 60. Geburtstag bisher unbekannte Geschichten aus ihrem turbulenten Alltag und vermittelt dabei ihre positive Weltsicht. Ihr Buch ist eine Quelle der Inspiration und ein Plädoyer dafür, sich spielerisch auf das Leben einzulassen, ganz egal, welche Herausforderungen es bereithält.