Lüneburg, Juni 2020

Vom Segelmacher zum Museumsleiter

Nach vielen Jahren des Studiums und der Lebenserfahrung im europäischen Ausland kehrte er als Wissenschaftler mit akademischem Titel zurück. Er ist dem Ruf der Heimat gefolgt, um hier in Lauenburg sein ganzes Wissen und sein Handwerk einfließen lassen zu können – er ist 
Dr. Jörn Bohlmann.


Es war im Jahr 1964, als Jörn Bohlmann als Sohn einer lauenburgischen Familie das Licht der Welt erblickte. Nach der Mittelschule war für ihn, nach seiner Überzeugung, die Ausbildungszeit beendet. Er sagte, dass Ernest Hemingway, Winston Churchill und Thomas Mann auch kein Abitur erlangt hätten und dennoch einen Nobelpreis bekamen. Somit war das Thema vom Tisch.

 

Einer, der auszog um die Welt zu entdecken
Das Wasser, die Schiffe und die Seeleute haben ihn fasziniert. In Geesthacht hatte er immer wieder Kontakt zu Schiffern, die ihm von der großen Welt draußen auf dem Meer berichteten. Er wurde Segelmacher und lernte das Handwerk noch nach alter Kunst. Etwas herstellen, mit den Händen etwas schaffen, das war sein Element. Im Jahre 1991 ging er mit Arved Fuchs für sechs aufregende Jahre auf Seereise. Auf großer Fahrt konnte das, was er über die See, die Schiffe, die Segel und die Navigation wusste anwedenden, und über die verschiedenen Menschen und Kulturen viel Neues lernen.

 

Hoch im Norden Europas, hat er ein neues Zuhause gefunden. Norwegen hatte es ihm angetan. „Das Land ist so lebendig, die Menschen so offen. Ich habe mehr als nur das Handwerk gelernt.“, sagte Dr. Bohlmann, in einem ganz persönlichen Interview.
Er ging nach Norwegen, um die Kunst des Holzbootebauens zu erlernen. Im Norden geblieben ist er insgesamt 18 Jahre. 15 Jahre davon in Norwegen. Hier begann der mittlerweile 40-Jährige ein Studium für Ethnologie. Im Anschluss promovierte er auf Norwegisch. „Allerdings muss ich sagen, dass Deutsch doch eine wesentlich differenziertere Sprache ist, sie ist spitzer, ausgefeilter. Im Deutschen kann man die Dinge genauer beschreiben, denn es gibt viele unterschiedliche Begriffe für gleiche oder ähnliche Sachverhalte.“ resümierte Dr. Bohlmann.


Die ganze Welt der 
Technik unter einem Dach
Nach 3 weiteren akademisch tätigen Jahren in Dänemark kam er zurück nach Deutschland. Er bekam ein wissenschaftliches Stipendium im Deutschen Museum in München, dem größten Technik-Museum der Welt. Schon nach kurzer Zeit wurde er Kurator für Schifffahrt und Meerestechnik. Doch die Arbeit wurde bürokratischer als gedacht. In dieser Zeit erwuchs in ihm der Wunsch, das Gelernte an viele Menschen weitergeben zu können, sich mit anderen auszutauschen und alte Handwerkskunst zu bewahren. Er wechselte zunächst an die Universität in Rostock, um dann im Februar 2020 in die Heimat nach Lauenburg zurückzukehren. Jetzt ist er der Leiter des Elbschifffahrt-Museums und mit Hingabe dabei. Hier kann er all seine wissenschaftlichen Studien, kulturellen Erlebnisse und handwerkliche Kenntnisse einbringen. „Die Geschichte muss erlebbar sein, dann haben die Leute auch Interesse daran. Ich möchte Kinder für das Museum und die Schifffahrt begeistern. Neue Projekte mit den Museen in Lüneburg und Hamburg zusammen aufstellen. Natürlich gehört auch die Geschichte Deutschlands dazu. Wir sind hier direkt an der innerdeutschen Grenze. Das ist Geschichte. Das sind wir!“ erzählt mir Dr. Bohlmann weiter.

 

Ein Mann, der überraschen kann
Es ist ein ganz anderes Interview, als ich es erwartet hätte. Es macht Spaß, jemandem zuzuhören, der mit so viel Enthusiasmus bei der Sache ist. Dr. Jörn Bohlmann ist alles andere, als ein steifer Museumsleiter. Allein die Tatsache, dass er jeden Tag von Bergedorf bis Lauenburg mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt, lässt mich erstaunen. Das sind 35 km! Er sieht es als Entspannung und genießt die Ruhe, wenn er an der Elbe entlang fährt. Er steht neuen Dingen immer noch offen gegenüber und greift dabei auf all seine Lebenserfahrung zurück, inbesondere die aus Norwegen. „Die sind dort alle vernetzt. Das find ich toll!“ sagt er zum Abschied.   

 

Text: SB


Elbschifffahrtsmuseum
Elbstraße 59, 21481 Lauenburg/Elbe
Tel.: 04153 - 59 09 - 219


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